Die operative Therapie der Adipositas

Wenn Enährungsumstellung, Verhaltenstherapie, medikamentöse Therapie oder auch alternative Therapien wie Akkupunktur, Autosuggestion oder TCM versagt haben, dann bleiben nur  chirurgische Maßnahmen zur Heilung der Adipositas. Häufigstes Operationsverfahren ist derzeit eine Verkleinerung des Magens, zum Beispiel durch Einsetzen eines anpassbaren Magenbands. Diese Verkleinerung des Magens bewirkt, dass man im Anschluss an die Operation nur noch kleine Nahrungsportionen zu sich nehmen kann. Der adipöse Patient nimmt während des ersten Jahres nach der Operation rasch ab. Bei extrem hohen Übergewicht (BMI über 55 kg/m²) kann zusätzlich zur Magenverkleinerung der Dünndarm verkürzt werden (Magenbypass). Auf diese Weise wird die Strecke verkürzt, auf der Nahrungsbestandteile aufgenommen (resorbiert) werden können. Der Anteil der Nahrung, der vom Körper verwertet werden kann, verringert sich so.

Begünstigt durch das starke Übergewicht oder, wie es in der Fachsprache heißt, die ausgeprägte (morbide) Adipositas treten die folgenden Krankheiten gehäuft auf:

– Diabetes mellitus (Blutzuckerkrankheit)
– arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
– Hypercholesterinämie
– „metabolisches Syndrom“
– Arthrose (Gelenkerkrankung)
– Schlafapnoe – Syndrom
– Asthma bronchiale
– Belastungsluftnot
– gastroösophageale Refluxkrankheit
– Leber-/Gallensteinerkrankungen
– hormonelle Dysregulationen
– Psychosen
– Krebs
– Gefäß- und Herzerkrankungen, etc.

Diese Erkrankungen können, teilweise auch durch die Notwendigkeit einer regelmäßigen, zum Teil lebenslangen Medikamenteneinnahme, eine deutliche Minderung der Lebensqualität herbeiführen. Fettsucht und ihre Begleiterkrankungen haben Einfluss auf die Lebenserwartung, d. h. dass Patienten, deren Körpergewicht 75 % über dem Normalgewicht liegt, eine um 5 bis 10 Jahre geringere Lebenserwartung als der Bevölkerungsdurchschnitt haben.

Operationsverfahren:
Es gibt zwei Arten von Operationen. Zum einen kann man den Verdauungstrakt verkürzen und zum anderen kann man ihn reduzieren. Bei allen Operationen ist das Ziel, die Menge und die Ausnutzung der Nahrung im Körper einzuschränken.

1. Magen-Bypass-Operation mit Verkleinerung des Magens
– Verkürzung des Verdauungstraktes durch eine Magenumgehung
– Diese Operation wird mit der Schlüsselloch-Technik (Microinvasive Operation) oder als offene Operation durchgeführt.

2. Verkleinerung des Magenvolumens
– durch Klammernaht (Operation nach Mason)
– durch ein verstellbares schwedische Magenband, das mit Schlüsselloch-Technik eingesetzt wird

Magenballon (Bioenterics Intragastrisches Ballonsystem – BIB)

Das BIB-System kann ohne Operation in den Magen eingebracht werden. Es besteht aus einem dehnbaren Ballon, der mittels Endoskopie in den Magen eingebracht wird und dann dort mit Kochsalzlösung aufgefüllt wird. Es schwimmt danach frei im Magen.

Wie funktioniert der Magenballon?

Wenn der Ballon im Magen entfaltet ist, simuliert er eine Füllung des Magens und so wird ein Sättigungsgefühl erzeugt. Man hat also weniger Hunger. Da es ein restriktives Verfahren ist, kann es nur erfolgreich sein, wenn gleichzeitig eine strikte Diät einhergeht. Es ist also unumgänglich, auch das Ess- und Bewegungsverhalten umzustellen. Das System sollte nicht länger als 6-8 Monate im Magen verbleiben. Sollte eine längere Anwendung erfolgen, kann man es aber problemlos durch ein neues ersetzen. Entfernt wird der Ballon ebenfalls mittels Endoskopie. Zuerst wird die Flüssigkeit abgelassen, dann wird der Ballon wieder entfernt.

Magenband (gastric banding)

Über Bauchspiegelung wird ein Band um den oberen Teil des Magens gelegt, welches nur geringe Mengen breiiger Speisen durchlässt. Der Patient / die Patientin werden gezwungen, gut zu kauen und verspüren früh ein Sättigungsgefühl. Bei guter Mitarbeit der Patienten können bis über 50 % des Übergewichtes nach einem Jahr abgenommen werden.

Wie funktioniert das Magenband?

Das Magenband ist aus weichem Silikon mit einem elastischen Gefäß, welches – je nach Patient – durch eine Injektion aufgefüllt wird. Das Band wird um den oberen Teil des Magens gelegt, so dass der Magen in zwei Teile aufgeteilt wird, einen kleinen Teil oberhalb des Bandes mit etwa 25 ml Inhalt und dem Rest unterhalb des Bandes. Diese beiden Teile sind durch eine kleine Öffnung unter dem Band miteinander verbunden. Diese Verbindung wird Stoma genannt. An dem Band ist ein kleiner Schlauch angebracht, der mit seinem Ausgang in ein Injektionsreservoir mündet. Dieses Reservoir wird im geraden Bauchmuskel implantiert und ist auf dem Röntgenbild sichtbar. Durch eine Injektion in das Reservoir kann der Chirurg durch Hinzufügen oder Entfernen von Flüssigkeit im elastischen Teil des Bandes das Stoma vergrößern oder verkleinern.

Schlauchmagen (sleeve gastrectomie)

Bei dieser Operation wird ein größerer Anteil des Magens entfernt. Übrig bleibt ein etwa drei cm dicker Schlauchmagen. Es kommt zu einer erheblichen, dauerhaften Verringerung des Füllungsvolumens. Das bedeutet, dass ein Sättigungsgefühl entsteht, auch wenn nur geringe Nahrungsmengen aufgenommen werden. Das „Hungerhormon“ Ghrelin wird ebenso vermindert ausgeschüttet, so dass sich auch weniger „Hungergefühl“ bei Patienten mit Schlauchmagen zeigt. Nach der Operation müssen die Patienten lebenslang mit Vitamin B12 zusätzlich versorgt werden.

Schlauchmagen Magenbypass

Manche Patienten nehmen trotz Anlage eines Magenbandes (gastric banding) und dem damit verbundenen Zwang zum Essen kleinerer Portionen nur ungenügend ab. Grund dafür kann die Aufnahme von Süßigkeiten in flüssiger Form (z. B. Limonaden) sein. In den USA wird deshalb mittlerweile der Magenbypass favorisiert. Bei diesem operativen Verfahren wird funktionell der Dünndarm verkürzt, indem eine Trennung vom Zwölfingerdarm vorgenommen wird. Anschließend wird dieser Dünndarmanteil mit einem künstlich angelegten kleinen „Vormagen“ verbunden und Zwölfingerdarmrest und Dünndarm erneut verbunden. Wie bei der Schlauchmagen-Operation (sleeve gastrectomie) müssen auch beim Bypass die Patienten lebenslang mit Vitaminen und Spurenelementen zusätzlich versorgt werden.

Biliopankreatische Diversion Magenbypass

Das Prinzip dieser Operation beruht auf zwei Säulen: Einer Verringerrung der Nahrungszufuhr durch Bildung eines Schlauchmagens und zusätzlich einer Mangelverdauung. Es ist also ein Kombinationsverfahren mit biliopankreatischer Diversion (Umleitung der Verdauungssäfte über eine lange Strecke) sowie Magenverkleinerung durch eine Teilentfernung des Magens. Der „Magenpförtner“ – also der Ausgang – bleibt erhalten. Der dann gebildete gemeinsame Verdauungskanal ist nur etwa 50 bis 100 cm lang und die Nahrung wird  erst verspätet mit den Verdauungssäften (Galle und Bauchspeicheldrüsensekret) vermengt. Dadurch wird die Verdauung und Aufnahme hochkalorischer Nahrungsmittel wie Fett und Kohlenhydrate verringert.